Umbau einer handelsüblichen Webcam zur Astro-Webcam

Für die Aufnahme von Sonne, Mond und Planeten braucht man nicht unbedingt eine teure Astrokamera. Eine Webcam tut es auch. Doch wie bekommt man diese Kamera in den Okularauszug gesteckt?

Für manche Modelle gibt es Adapter, die anstelle des Webcam-Objektives in die Kamera geschraubt werden können. Diese haben einen Steckdurchmesser von 1,25 Zoll und passen so in den Okularauszug. Man kann die Webcam aber auch umbauen, wie nachfolgendes Beispiel zeigt:

Für meinen Umbau verwendete ich eine um die 20 Euro kostende Webcam mit einem CMOS-Sensor von 1280 x 720 Pixeln Auflösung.

Weitere Daten:

  • 24 bit Farbtiefe
  • bis zu 30 fps (Frames per second)
  • Interface: USB 2

Welchen Sensor die Kamera hat, ist nicht bekannt.

Um an die Kameraplatine zu kommen, muss man das Gehäuse der Webcam öffnen. An der Rückseite, dort wo der Standfuß im Gehäuse steckt, befinden sich kleine Schrauben, die man entfernt. Anschließend kann man die Gehäuseoberschale abhebeln.

Die Kameraplatine ist nochmals mit kleinen Schrauben im Gehäuse fixiert. Das Objektiv steckt in einer Halterung, die mit zwei Schrauben an der Platine befestigt ist. Die Halterung habe ich weiter verwendet, das Objektiv aber entfernt. Auch das eingebaute Mikrofon kann entfernt werden. Es wird für die Astrofotografie ohnehin nicht gebraucht.

Für das neue Gehäuse verwendete ich M-49-Filterringe aus der Bastelkiste. Die Filterscheiben wurden dazu entfernt. Diese sind mit kleinen Gewinderingen fixiert, die man leicht herausdrehen kann. Der Teleskopanschluss besteht aus einer 1,25-Zoll-Steckhülse mit CS-Gewinde und einem Gewindering mit gleichem Gewinde. Um die Steckhülse am Gehäuse befestigen zu können, habe ich eine passende Scheibe aus Kunststoff angefertigt, die anstelle einer Filterscheibe in einem Filterring befestigt wird.

Das ist der Teleskopanschluss von der Innenseite gesehen. Das Gewinde der 1,25-Zoll-Steckhülse ist durch die Kunststoffscheibe gesteckt und mit dem CS-Gewindering verschraubt.

Zur Aufnahme der Kameraplatine brauchte ich eine zweite Kunststoffscheibe. Die zentrale Bohrung in der Scheibe ist so bemessen, dass die Objektivfassung der Platine darin hineinpasst. Die Platine ist an der Kunststoffscheibe mit 2-Komponenten-Kleber fixiert. Die Webcam habe ich zwischen zweitem und drittem Filterring gesteckt und die Filterringe miteinander verschraubt. Eine dritte Kunststoffscheibe zwischen drittem und viertem Filterring dient als rückwärtiger Gehäuseanschluss mit Kabeldurchführung. Das USB-Kabel der Webcam musste dazu ausgelötet, duch die Bohrung der Kunststoffscheibe gesteckt und wieder an der Platine angelötet werden.

Die fertige Astro-Webcam bietet durch ihre Bauweise noch reichlich Ausbaumöglichkeiten, z.B. für einen kleinen Ventilator zur Kühlung. Auch wäre es möglich, statt der Steckhülse einen T-2-Anschluss zu adaptieren. Damit könnte man die Kamera auch für die Okularprojektion mit einem entsprechenden Vorsatz benutzen.

Die Kamera an meinem Mak 90/1250. Beim Zusammensetzen des Kameragehäuses sollte man darauf achten, eine Kabel-Zugentlastung mit einzubauen. Die sorgt dafür, dass das USB-Kabel nicht an der Platine abreißt, fall man mal dran hängen bleibt.

Aufnahme von Jupiter mit der umgebauten Webcam am Teleskop (Skywatcher Mak 90/1250) unter Verwendung einer 2-fach-Barlowlinse. Bei dem "Fleck" links von Jupiter handelt es sich um den Jupiter-Mond Io.